Liebe Pfarrgemeinde,

allmählich bewegen wir uns in dieser vom Corona Virus ausgelösten Krise hin zu einer neuen Normalität: Wir lernen mit dem Virus zu leben. Das Gröbste scheint vorbei zu sein. Können wir schon einen Rückblick wagen? Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

Die alte Welt, wie wir sie gekannt haben, löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, in der die Zukunft ihre Richtung ändert. Konturen werden sichtbar. Wir wundern uns vielleicht, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von uns sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. In jeder Krise kommt es auch zu einer Konzentration auf das Wesentliche.

 

Paradoxerweise erzeugt die körperliche Distanz, die der Virus erzwingt, gleichzeitig eine neue Nähe. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst. Es gibt eine neue Kultur der Erreichbarkeit, der Verbindlichkeit und einen achtsameren Umgang miteinander. Die Brüchigkeit des Lebens und vieler unserer Einstellungen wird deutlich – und gleichzeitig eine neue Wertschätzung für die Kostbarkeit des Lebens spürbar. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander? Was ist wirklich wichtig im Leben? Nicht die Technik, die wir einmal als Allheilmittel betrachtet haben, ist wichtig, sondern die Menschlichkeit. Nicht so sehr die technischen Möglichkeiten haben uns gerettet, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass die Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben können, das gibt den Ausschlag. Wir staunen, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist. In jeder Krise liegt auch eine Chance. Nutzen wir sie!

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf den folgenden Seiten unserer Homepage nicht nur die nötigen Informationen finden, sondern in einem Kontakt mit der Stadtkirche Traunstein auch die Lebendigkeit des Glaubens in dieser Stadt erleben. 

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

Stadtpfarrer Georg Lindl



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